Faktencheck E-Mobilität: Deutschland holt im internationalen Vergleich auf

Stuttgart, 12.11.2020 (PresseBox) – In Deutschland nimmt die Elektromobilität Fahrt auf, 2020 könnte zum Wendejahr werden. Bis Ende dieses Jahres werden nach Berechnung der Managementberatung Horváth & Partners in ihrem „Faktencheck E-Mobilität“ über 370.000 Elektroautos auf deutschen Straßen fahren, im nächsten Jahr noch einmal 200.000 Fahrzeuge mehr. „Die Verbreitung von E-Autos erfolgt nun endlich mit der notwendigen Dynamik, unter anderem getrieben von der Corona-Krise“, sagt Dr. Oliver Greiner, Studienleiter und Partner bei Horváth & Partners. Im internationalen Vergleich hat sich Deutschland bei den Neuzulassungen bereits auf den dritten Platz vorgearbeitet. Der Umweltbonus beim Kauf von E-Autos, der Mitte 2020 im Rahmen eines Konjunkturprogramms erhöht wurde, kurbelt den Absatz an. Auch die Corona-Krise könnte zum Treiber werden: In der Pandemie ist das Transportmittel Auto für viele wieder erste Wahl geworden – gern in der umweltfreundlichen Elektro-Variante. 2020 haben zudem die von der EU vorgegebenen CO2-Flottengrenzen das Potenzial, die Dynamik noch zu erhöhen.
Fast 240.000 Elektrofahrzeuge waren Ende 2019 in Deutschland zugelassen, davon rund 137.000 rein elektrisch. Damit stieg der Bestand an Elektrofahrzeugen im Vergleich zum Vorjahr noch einmal um knapp 59 Prozent. Wird diese Wachstumsgeschwindigkeit unverändert beibehalten, würde das für 2022 ausgegebene Millionenziel der Bundesregierung knapp verfehlt und leicht verspätet Anfang 2023 erreicht werden. Dies sind Ergebnisse der jährlichen Studie „Faktencheck E-Mobilität“ der Managementberatung Horváth & Partners.
Stark im internationalen Vergleich
International gesehen wurden 2019 lediglich in den USA und in China mehr Elektrofahrzeuge neu zugelassen als in Deutschland. Diese Entwicklung ist beachtlich, lag die deutsche Automobilwirtschaft in den Vorjahren in diesem Vergleich nur auf Rang vier (2018) bzw. fünf (2017). Die deutschen Neuzulassungen haben sich seit 2017 verdoppelt und lagen 2019 bei knapp 110.000. Damit überholte die Bundesrepublik sowohl Japan als auch Norwegen. China und USA liegen als weit größere Absatzmärkte an der Spitze, vermelden allerdings 2019 rückläufige Tendenzen.
Nichtsdestotrotz bleibt der Anteil der stromangetriebenen Autos vergleichsweise gering, wie die Horváth-Experten prognostizieren. Ihren Hochrechnungen zufolge würden bei einem angenommenen PKW-Bestand in Deutschland von rund 45 Millionen Fahrzeugen im Jahr 2022 E-Fahrzeuge nur zwei Prozent ausmachen. 2030 wären es demnach nicht mehr als 15 bis 20 Prozent.
Ladeinfrastruktur entscheidender Faktor
Ein Schlüssel zum Durchbruch liegt im Ausbau der bundesweiten Ladeinfrastruktur. Auch hier gibt es Fortschritte: Die Anzahl der öffentlichen und halb-öffentlichen Ladepunkte ist 2019 in Deutschland auf 24.000 gestiegen. Das entspricht einem signifikanten Plus von 49 Prozent zum Vorjahr, bereits 2018 konnte mit 48 Prozent ein ähnlich hoher prozentualer Zuwachs verzeichnet werden.
Auch die Reichweitenentwicklung hat 2019 erneut einen großen Schritt nach vorne gemacht. Die durchschnittliche Reichweite aller 2019 verkauften Elektrofahrzeuge lag entsprechend Herstellerangaben und wie im Vorjahr prognostiziert bei etwa 325 Kilometern. 2018 waren im Schnitt 267 Kilometer drin. „Reichweiten über das enge urbane Umfeld hinaus sind für Kunden nach wie vor ein wichtiger Faktor“, sagt Oliver Greiner von Horváth & Partners.
2020 als Schlüsseljahr für die Elektromobilität
Das laufende Jahr könnte die Wende bringen. „2020 wird ein Schlüsseljahr für die Elektromobilität in Deutschland“, sagt Greiner. Mit über 370.000 E-Autos auf deutschen Straßen wird sich ihre Zahl im Vergleich zum Vorjahr um mehr als die Hälfte gesteigert haben. Ende 2021 dürften es laut Hochrechnungen bereits knapp 600.000 E-Autos sein. In diesem Jahr greifen erstmals die von der EU vorgegebenen CO2-Flottengrenzen, die den CO2-Ausstoß auf im Schnitt 95 Gramm pro Kilometer begrenzen. Bei den Neuzulassungen sind E-Autos weiter auf dem Vormarsch und erreichten im September einen Rekord-Marktanteil von 15 Prozent. Der Umweltbonus erfreut sich großer Beliebtheit: Im September wurden mit mehr als 27.000 so viele Anträge gestellt wie noch nie zuvor seit Einführung der Kaufprämie 2016. So kann etwa für den Kauf eines reinen E-Autos eine Unterstützung von bis zu 9.000 Euro bei einem Nettolistenpreis unter 40.000 Euro abgerufen werden. „Dies ist ein wichtiger Beitrag, um den durchschnittlichen Preisaufschlag für ein Elektroauto im Vergleich zum Verbrenner weiter zu reduzieren. Dieser lag in den vergangen zwei Jahren mit jeweils knapp 45 Prozent noch deutlich zu hoch für die große Mehrheit der Käufer“, sagt Horváth-Partner Greiner.
Pandemie-bedingter Schub
In der Corona-Krise hat der Individualverkehr an Bedeutung gewonnen. Aus Sorge vor Ansteckung ziehen viele Menschen das eigene Auto öffentlichen Verkehrsmitteln vor. „Die Pandemie könnte damit auch der E-Mobilität in Deutschland einen neuen Schub verleihen, denn Elektrofahrzeuge bieten sich als umweltfreundliche Alternative an. Die Frage der Reichweite tritt in den Hintergrund, wenn das E-Auto anstelle von öffentlichen Verkehrsmitteln im Alltag genutzt werden soll“, sagt Greiner.
Über die Studie:
Im Rahmen des „Horváth & Partners Faktencheck E-Mobilität“ analysieren die Berater jährlich die aktuelle Entwicklung wesentlicher Treibergrößen der Mobilität in Deutschland. Auf Grundlage konsolidierter Ist-Werte werden aktuelle Wachstumsraten auf die nächsten Jahre hochgerechnet und mit Zielwerten verglichen. Daraus werden Wahrscheinlichkeiten für das Erreichen relevanter Schlüsselgrößen im Markt für Elektromobilität ermittelt. Die wesentlichen Ergebnisse sind in einer Infografik veranschaulicht, die hier heruntergeladen werden kann.

Unternehmen: Horváth & Partners