Expertenrat im Online-Chat

Ludwigsburg, 03.11.2020 (lifePR) – Warum haben manche Menschen nie Schnupfen, während andere ständig erkältet sind? Warum ist eine kleine Wunde bei manchen in wenigen Tagen verschwunden, während der Heilungsprozess bei anderen viel länger dauert? Verantwortlich für all das und noch viel mehr ist unser Immunsystem: Schwächelt es, sind wir anfällig für Infekte und andere Erkrankungen. Ist es stark und intakt, sind wir gut geschützt. Dabei ist unser Immunsystem kein autonomes System, sondern ein komplexes Netzwerk, das untrennbar etwa mit der Psyche, unserem Nerven- und Hormonsystem und auch unserer Darmflora verbunden ist. Das Immunsystem verstehen und unterstützen – das ist Thema im Expertenchat der mhplus Krankenkasse am 9. November ab 20:30. Als Expertin im Chat beantwortet Wiebke Ude Fragen zum Thema. Interessierte gelangen unter mhplus.portal-gesundheitonline.de zum Chat.
Die Expertin im Chat:
Wiebke Ude ist Heilpraktikerin, Referentin und Pharmazeutin in Berlin. Durch langjährige Apothekenerfahrung und Ihre Tätigkeit als Heilpraktikerin in eigener Naturheilpraxis seit 2003 verfügt sie über umfangreiche Kenntnisse sowohl in der Schulmedizin als auch in alternativen Heilmethoden wie Naturheilkunde, Orthomolekularer Medizin, Homöopathie und Anthroposophie sowie über verschiedene Heil- und Arzneimittel. Wiebke Ude hält regelmäßig Vorträge und Seminare vor Fachpublikum und Laien.
Experteninterview zum Thema Immunsystem: Fragen an Wiebke Ude
Red.: Starke Abwehrkräfte gegen Viren, Bakterien und krank machende Zellveränderungen: Wie funktioniert die Immunabwehr?
W.U.: Das komplex aufgebaute Immunsystem ist der Schutzmechanismus unseres Körpers gegen Viren, Bakterien, Pilze, Parasiten und weitere Krankheitskeime. Es ist überlebenswichtig. Hätten wir es nicht, würden wir uns ständig in Lebensgefahr befinden, da wir andauernd krank machenden Mikroorganismen ausgesetzt sind. Zum körpereigenen Abwehrsystem zählen neben verschiedenen Organen auch das Blut, das Knochenmark und das Lymphsystem. Dazu gehören die Rachenmandeln, Lymphknoten, Thymus und die Milz. Speziell definierte Abwehrzellen wie Leuko- und Lymphozyten, Phagozyten (Fresszellen) und Antikörper komplettieren das Immunsystem. Unsere Haut und Schleimhäute bilden zusätzliche Barrieren gegen Krankheitserreger, ebenso chemische Stoffe wie Enzyme, körpereigene Säuren und Schleim. Auch die Bakterienflora in Dünn- und Dickdarm sowie die Vaginalflora sind wichtige Bestandteile der Immunabwehr. Psychische und geistige Gesundheit eines Menschen tragen ebenso zur Stärkung und Aufrechterhaltung einer guten Immunabwehr bei wie die körperlichen Faktoren. Sie sind eng miteinander verbunden.
Red.: Welche Rolle spielt die Immunabwehr bei der Vorbeugung und dem Verlauf von Krankheiten?
W.U.: Eine gut eingespielte Immunabwehr ist die grundsätzliche Voraussetzung, um Krankheiten vorzubeugen beziehungsweise zu verhindern. Ein gut funktionierendes Immunsystem ist in der Lage, schnell auf akute Geschehen zu reagieren und den Ausbruch einer Krankheit zu verhindern. Kommt es dennoch zu einer Infektion, sollte die Erkrankung einen leichteren oder kürzeren Krankheitsverlauf nehmen.
Red.: Was sind die Gründe für ein geschwächtes Immunsystem?
W.U.: Gründe kann es viele geben – auch das ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Durch psychische Faktoren kann man aus der Bahn geworfen werden und erkranken – wie bei Erkrankung oder Tod eines geliebten Menschen, Scheidung, Verlust seiner Arbeitsstelle. Chronischer Geldmangel und Sorgen können die Immunabwehr schwächen. Lärm, Stress, Schlafmangel, schlechte Ernährung, Mangelbewegung, Rauchen, Alkohol- und Drogenkonsum können zur Beeinträchtigung des Immunsystems führen. Auch angeborene Immundefekte oder Bedingungen, bei denen bewusst medikamentös das Immunsystem unterdrückt werden muss, wie beispielsweise bei Transplantat-Patienten, sind weitere mögliche Ursachen für ein geschwächtes Immunsystem. Und dann gibt es die Keime, die das Immunsystem nicht erkennt, weil es dagegen noch keine Antikörper gebildet hat, wie aktuell gerade das COVID-19-Virus. Deshalb ist es so wichtig, sich zu schützen, durch Händewaschen, Mundschutz, Desinfektion und 1,50 Meter Abstand halten zu anderen Personen.
Red.: Wie kann man das Immunsystem stärken?
W.U.: Viele Faktoren sind wichtig, um das Immunsystem zu stärken, sodass es seine Aufgaben optimal erfüllen kann: Eine gute und ausgewogene Ernährung ist sehr wichtig! Frische, regionale Lebensmittel, wie Gemüse und Obst, (Bio-)Fleisch – nicht allzu oft genossen –, Fisch und Leinöl mit Omega-3- und -6-Fettsäuren. Ausreichender Schlaf von 6 bis 8 Stunden pro Nacht wird empfohlen, und (Dauer-)Stress zu vermeiden bzw. für genügend Erholungspausen sorgen. Bewegung an der frischen Luft wie Spaziergänge, und Ausdauersport wie Walken, Joggen, Radeln oder Schwimmen sollte man in sein wöchentliches Work-out-Programm einflechten. Durch Wechselduschen, gezielte Wasseranwendungen (sogenanntes „Kneippen“) und Saunabesuche lernt der Körper mit unterschiedlichen Reizen wie Kälte und Wärme umzugehen. Und letztendlich sollte man Noxen wie Nikotin, Alkohol und Drogen jeglicher Art vermeiden.
Red.: Was ist von Vitaminpräparaten und Nahrungsergänzungsmitteln zu halten?
W.U.: Vitamine wie beispielsweise C, E und D, und Mineralstoffe wie Zink und Selen sind wichtig für eine gute Immunabwehr. Grundsätzlich sollte man Vitaminpräparate und Nahrungsergänzungsmittel nur gezielt zu sich nehmen, wenn sich etwa nach einer Blutuntersuchung ein Mangel oder eine Krankheit zeigt, es zum Beispiel oftmals zu rezidivierenden Erkältungen und grippalen Infekten kommt. Auch bei psychischen Erkrankungen wie Burn-out, Depressionen oder Angststörungen kann eine Maßnahme durch gezielte Verabreichung von Orthomolekularen Präparaten unterstützend und hilfreich sein. Ich würde empfehlen, dahingehend einen Arzt, Heilpraktiker oder entsprechenden Therapeuten aufzusuchen, um eine fundierte, gezielte Beratung zu bekommen. Wichtig ist, dass man seinen Fokus auf eine gute und ausgewogene Ernährung richtet. Dabei sollten verarbeitete Lebensmittel wie zum Beispiel Fastfood oder industriell verarbeitete Produkte vermieden werden.

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