Was passiert beim Schnitt? – Die Postproduktion

Monheim, 30.09.2020 (PresseBox) – Die Postproduktion ist der letzter Teil eines Prozesses zur Fertigstellung einer Video- oder Filmproduktion. Die Planung der Postproduktion beginnt schon in der Vorproduktion und umfasst sowohl das Mood & Feel des fertigen Produkts als auch die genauen zeitlichen Abläufe, die nötig sind, um einen Abgabetermin einhalten zu können.
In einem optionalen Storyboard kann dem Kunden am Produktionsbeginn die Ideen des Regisseurs oder Redakteurs visualisiert werden. Das Storyboard ist vergleichbar mit einem Comic, das alle Schnittbilder mit Einstellungsgrößen und technischen Details zeigt. Dem Kunden kann dadurch ein noch detaillierterer Einblick in den zu schaffenden Film gewährt werden.
In der Vorproduktion wird mit dem Kunden die Deadline für das Endprodukt besprochen. Hierbei gibt es 3 Phasen, die der Film in der Postproduktion durchlaufen muss: Picture Lock, Feinschnitt und zu guter Letzt die Abgabe. Hierbei sollten sowohl ausreichende Bearbeitungszeiten berücksichtigt und andererseits auch genug Zeit für Feedbackschleifen des Kunden eingeplant werden.
Was passiert nach dem Dreh?
Zudem werden hier schon wichtige Grundlagen für die Postproduktions-Artisten geschaffen: Welche Musik soll es später werden? Welche Farbgebung soll das Bild haben? Gibt es wichtige Punkte zur CI zu berücksichtigen? Für welches Endprodukt wird der Film gemacht: Internet, Fernsehen oder Kino?
Nachdem am Set der Film produziert wurde und damit auch die Phase der Produktion abgeschlossen ist, beginnt die Phase der Postproduktion. In der Regel fangen wir mit der Sortierung und Sicherung der Daten auf mehreren Speichermedien an. Viele Faktoren wie z.B. die Geschwindigkeit der Festplattensysteme oder die Auslegung der Workstation beeinträchtigen später die Geschwindigkeit der Fertigstellung der Filme.
Nachdem alles an seinem Platz ist, kann der Cutter mit der Vorauswahl der Bewegtbilder in seinem Schnittprogramm starten. Dies dauert bei einem drei minütigen Endprodukt durchaus schon einen ganzen Schnitttag. Wenn dies geschehen ist, baut sich der Cutter seine Grundlage im Schnitt: den Schnittrhythmus. Dieser kann Musik, ein Takt oder einfach nur die jahrelange Erfahrung des Cutters sein.
Auf diesen Takt baut sich der Cutter die Geschichte und sehr häufig hat er mehr Material, als er in den hier angenommenen drei Minuten unterkriegen kann. Mit der Vorgabe des Takts fängt er an, die Clips zu kürzen, zu entfernen oder neu zu arrangieren. Dies tut er so lange, bis der Schnitt sowohl als Ganzes, als auch ohne Ton gut funktioniert und die gewünschte Emotionen schafft.
Wenn Cutter, Regisseur und Produzent zufrieden sind, geht das Ergebnis der Arbeit des Cutters zur Abnahme an den Kunden. Diesen ersten Prozess nennt man “Abnahme des Rohschnitts”. Hierbei geht es ausschließlich um die Bildauswahl, den Rhythmus des Schnitts und den inhaltlichen Aufbau. Alle anderen Faktoren wie bspw. Farbigkeit, Animationen oder Lautstärkenanpassungen können hier noch nicht berücksichtigt werden. Dem Kunden bieten wir an dieser Stelle eine erste Korrekturschleife an.
Was passiert nach dem Schnitt?
Wenn der Kunde dann zufrieden ist, gilt das Projekt als “Picture-Lock”. Eine Änderung der Musik oder des Schnitts sind jetzt entweder nicht mehr möglich oder nur durch mehr Zeit- und Kostenaufwand realisierbar.
Dies ist vergleichbar mit einem Hausbau: Das Fundament steht jetzt. Ab jetzt kann das Haus gebaut werden. Wünscht sich der Kunde ein breiteres oder kleineres Haus? Dann muss das bereits angefangene Haus mit Fundament wieder abgerissen und alle Teile komplett neu angesetzt werden.
Der Cutter hat jetzt erst einmal Pause und kann sich anderen Projekten widmen. Ab jetzt beginnt die Zeit der Animationskünstler, Color-Grading Artisten und Sounddesigner. Da der Schnitt jetzt “locked” ist, können alle weiteren Prozesse parallel vollzogen werden. Beginnen wir mit der 2D Animation.
2D-Animation
Die 2D Animation ist eine flache und cleane Art der Animation. Sie unterscheidet vor allem darin, dass zeitaufwendige Rechenleistungen am Ende entfallen, so wie es z.B. bei der 3D Animation der Fall wäre. Das soll aber nicht bedeuten, dass die entsprechende Animation deshalb weniger aufwendig oder wertig sein kann! Die 2D Animation können z.B. In- und Outro sein, animierte Bauchbinden und Logoanimationen.
3D-Animation
Die 3D Animation ist eine sehr realistische und aufwendige Art der Animation. Sie kann von vereinfachten Visualisierungen bis zu fotorealistischen Replacements reichen. Sie findet häufig Anwendung in der Postproduktion, wenn im Vorfeld Produkt und Produktdesign noch nicht festgesetzt sind. Gerade Letztgenannte bedarf eines ungeheuren rechen- und zeitaufwands. Licht und Reflexionen des Lichts, die in unserer Welt naturgegeben sind, müssen in einem dreidimensionalen Raum künstlich nachempfunden werden.
Color Grading
Das Color Grading ist nach unserer Meinung wohl der spannendste Teil der Postproduktion.  In diesem Teil der Postproduktion wird dem Bild seine Farbe gegeben. Soll das Bild hell, warm und freundlich sein? Oder lieber dunkel und spannend? Sollen eventuell die CI-Farben des Unternehmens besonders präsent in allen Bildern sein? Dies alles und noch viel mehr lässt sich in dem Color-Grading realisieren. Deshalb fließen hier künstlerische Aspekte, Filmpsychologie und Emotionen zusammen.
Sound Design
Das Sounddesign ist faktisch das Color Grading des Tons. Hier werden Klangwelten erschaffen und Töne zum Hervorrufen von Emotionen eingefügt. Das berühmteste Beispiel von Sounddesign ist wohl das klassische “Boing”, wenn unser Protagonist auf dem Glatteis ausrutscht und dadurch nicht Mitleid, sondern Heiterkeit erzeugt wird.
Sound Mischung
Der vorletzte Schritt in unserer langen Produktionskette ist die Soundmischung. Hier werden Sounddesign-Elemente, Musik, Interviews und Sprecheraufzeichnungen zu einem wohlklingenden Gesamtwerk zusammengemischt. Die Soundmischung ist damit das Anheben und Absenken verschiedener Bestandteile des Gehörten: Wenn der Sprecher ansetzt und weiter spricht, dann wird die Musik leiser.
Die letzten Meter…
Im letzten Schritt geht alles wieder zum Cutter, der alle Bestandteile der Postproduktion wieder in seinem Schnittprogramm vereint. Sobald der Cutter, der Regisseur und der Produzent dieses Zusammenführung abgenommen haben, wird es zur finalen Abgabe an den Kunden gesandt.
Der Kunde hat hier eine letzte Möglichkeit, Feedback zu den einzelnen Bereichen zu geben. Sofern es noch Korrekturen geben sollte, werden diese schnellstmöglich umgesetzt und zur erneuten Freigabe an den Kunden gesandt. Ist dieser zufrieden, gilt der Film als abgenommen und wird final herausgerechnet. Der Kunde erhält seinen fertigen Film direkt im Anschluss.
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Unternehmen: PRO-duction – Ramcke, Phil und Nicolaus, Marcel Gbr