Veitshöchheimer Landespflegetage behandeln die Herausforderungen im Garten- und Landschaftsbau

Gräfelfing bei München, 24.01.2020 (lifePR) – In seinem Grußwort erläuterte Gerhard Zäh, Präsident des Verbandes Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Bayern (VGL Bayern), die nach seiner Ansicht drängendsten Herausforderungen im GaLaBau: Klimawandel, Digitalisierung und Fachkräftesicherung. „In der Bewältigung des Klimawandels nimmt das Grün eine entscheidende Rolle ein. Die Städte der Zukunft müssen deshalb mehr Grün aufweisen, um den steigenden Ansprüchen der Bewohner an Umweltschutz und Nachhaltigkeit gerecht zu werden. Ebenso nimmt das Bedürfnis an Erholung im eigenen Garten und in öffentlichen Grünanlagen zu“, so Gerhard Zäh. Dementsprechend begann der VGL Bayern bereits 2013 mit der von rund 50 Stiftungen, Unternehmen und Verbänden mitgetragenen Charta „Zukunft Stadt und Grün“, die Politik und die Gesellschaft auf die Anforderungen an den Klimaschutz aufmerksam zu machen.
Des Weiteren verdeutlicht die Initiative „Grün in die Stadt“ die positiven Effekte von Grünflächen im öffentlichen Raum. 2018 wurde die Kampagne um den sogenannten „Förder-Check“ erweitert. Dabei handelt es sich um eine Dialogplattform für kommunale Entscheider, die es ermöglicht, passende Förderprogramme zu finden und geeignete Förderanträge zu stellen. Zusätzlich wendet sich der Verband mit der Initiative „Rettet den Vorgarten“ gegen die zunehmende Verschotterung von Gartenbereichen. Ziel ist es, Hausbesitzer darüber aufzuklären, dass bepflanzte Außenanlagen zu einer Verbesserung der Biodiversität und des häuslichen Mikroklimas beitragen. Auch die 2019 erschienene Broschüre „Unsere grüne Zukunft gestalten“ illustriert zahlreiche Beispiele, dem Klimawandel und urbanen Wachstum zu begegnen. „Zusammenfassend kann man feststellen, dass sich der GaLaBau, in Zusammenarbeit mit Landschaftsarchitekten und Planern, dem Produktionsgartenbau, der Baustoffindustrie und dem Handel, zunehmend zur Schlüsselbranche in der Bewahrung und Verbesserung der Lebensqualität für die Menschen entwickelt – in der Stadt und im ländlichen Raum“, resümierte der Präsident des VGL Bayern.
Mit Bezug auf die Herausforderungen in der Digitalisierung verwies Zäh auf die vom Bundesverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau aktiv betriebene Hilfestellung rund um grundlegende Fragen zu Unternehmens- und Geschäftsprozessen. Interessierte GaLaBau-Betriebe haben zudem die Möglichkeit, einen „DIGI-Check“ durchzuführen und eine Vielzahl an Merkblättern zu digitalen Lösungsansätzen zu nutzen.
Wie in vielen Handwerksberufen, so ist auch in der grünen Branche der demografische Wandel und die fortschreitende Akademisierung der Berufswelt spürbar. „Wir sind deshalb aufgefordert, uns verstärkt mit der Qualität in der Ausbildung unserer angehenden Fachkräfte zu beschäftigen. Denn ein hervorragender Ausbildungsbetrieb ist und bleibt ein wichtiger Wegbereiter für junge Frauen und Männer beim Start in das Berufsleben“, appellierte der Verbandspräsident. Der VGL Bayern hat deshalb den „Staatsehrenpreis für vorbildliche Ausbildung im Garten- und Landschaftsbau“ initiiert, der 2019 erstmalig vom Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten vergeben wurde und dieses Jahr in die nächste Runde geht. Und schließlich tragen konkrete Verbandsangebote dazu bei, die Attraktivität der Ausbildung für die Landschaftsgärtnerinnen und Landschaftsgärtner zu steigern. So finden gegenwärtig mehrere Studienreisen nach Lissabon statt. Im Rahmen des EU-Programms Erasmus+ erlernen 36 bayerische Auszubildende und Ausbilder die Fertigkeiten des weltberühmten Ornamentpflasterns.
Wie der GaLaBau dem Artensterben entgegentreten kann
Worauf es bei der Gestaltung naturnaher Privatgärten, Außenanlagen im Wohnungsbau und gewerblicher Flächen ankommt beschrieb Pia Präger, Präsidiumsmitglied des VGL Bayern. „Naturnah“ bedeutet nach Ansicht der Gärtnermeisterin, die Gestaltung und Pflege eines Gartens mit der Natur und den ihr eigenen Gesetzen und nicht gegen sie. Keineswegs ist damit gemeint, Pflanzen wild durcheinander wuchern zu lassen. „Man gibt der Natur jedoch Raum zur Entwicklung, ohne dabei auf lenkende Eingriffe zu verzichten. Diese Pflegemaßnahmen müssen sich am Charakter des jeweiligen Gartens und seiner Umgebung orientieren. Naturnahe Gärten, mit möglichst vielen Ökosystemen und einer hohen Biodiversität, sind daher sichtbarer Beweis eines ausgeprägten Umweltbewusstseins der Besitzer und beileibe kein Zeichen für deren Faulheit“, räumte Präger mit einem weitverbreiteten Missverständnis auf.
Ein Naturgarten gilt als pflegeleicht, denn viel wird der Natur überlassen. Bei der Erschaffung der Lebensräume für Pflanzen und Tiere sowie deren Artenvielfalt, gibt es dennoch einiges zu beachten: Dies betrifft insbesondere die richtige Pflanzenauswahl, die Wahl geeigneter Standorte für die Pflanzgesellschaften, den Verzicht auf Torf und die Verwendung von natürlichem Dünger. Falllaub, verwelkte Blütenstände und abgestorbene Pflanzenteile bleiben im Herbst in den Pflanzflächen liegen. Sie schützten den Boden vor Austrocknung und führen ihm über die Verrottung der Blätter Nährstoffe zu. Totholz, Reisighaufen aus Obstbaum- oder Heckenschnitt sowie ausreichende Falllaubschichten bieten Unterschlupf, Deckung, Schlafplatz, Überwinterungsort und Brutgelegenheit für zahlreiche Tierarten.
Ein naturnaher Garten benötigt in der Regel keine zusätzliche Bewässerung. Lediglich bei lang anhaltender Trockenheit kann dies erforderlich werden. Dazu wird gespeichertes Regenwasser verwendet. Begrünte Dächer und Fassadenbegrünungen bieten vielfältige Lebensräume für Tiere und Pflanzen. Zu den reizvollsten Bauwerken gehören Trockenmauern. Sie ermöglichen das Abfangen von Höhenunterschieden, gliedern den Garten, sind für Pflanzen und Tiere Extremstandorte und schaffen dadurch unvergleichliche Lebensräume. Neben Mauern eignen sich Hecken und Zäune für Grundstückabgrenzungen. Hecken bleiben meist freiwachsend und müssen nur gelegentlich geschnitten, ausgelichtet oder „auf Stock gesetzt“ werden. Zäune aus Holz bieten vielfältige Gestaltungsmöglichkeiten und können individuell aus Weidengeflecht, Knüppelholz, Brettern oder Ästen hergestellt werden. Bestehende Zäune aus Maschendraht oder Doppelstabgitter eignen sich hervorragend als Kletterhilfe für viele Pflanzen. Parkplätze, Verkehrsflächen, Wege und Terrassen beanspruchen in der Grundstückserschließung viel Fläche. Diese Flächen ökologisch zu gestalten, bedeutet, den Flächenverbrauch auf ein Minimum zu reduzieren. Abhilfe schaffen hier zum Beispiel wassergebundene Wegedecken aus mineralischen Baustoffen und wasserdurchlässige Pflasterbeläge.
Betriebsübergabe erfolgreich planen und durchführen
Der Nachmittag des ersten Veranstaltungstages widmete sich den drängendsten Fragen zum Thema Betriebsnachfolge. In mehreren Interviews berichteten Firmeninhaber über ihre Erfahrungen hinsichtlich dem zeitlichen Vorlauf der Übergabe, der Ermittlung von Unternehmenswert und Finanzierungsformen, dem Rollenverständnis von Übergeber und Nachfolger sowie deren Vorstellungen von der Weiterentwicklung des Unternehmens.
Wolfgang und Sohn Marc-Daniel Zink, Firma Garten Zink, beschäftigten sich ab Sommer 2017 mit der Betriebsübergabe und führten Gespräche mit ihrem Steuerberater und einem Unternehmensberater. Durch die langjährige Zusammenarbeit von Vater und Sohn waren wenige Belange zu klären. Beide entschieden sich für den Verkauf respektive den Kauf des Unternehmens, um eine Absicherung im Alter für den Übergeber zu gewährleisten. Bei der Ermittlung des Unternehmenswertes wurden Betriebsimmobilien, Grundstücke, Pflanzen- und Materialbestände, Maschinen und der Firmenwert berücksichtigt. „Bei der Übergabe ändert sich im täglichen Ablauf nicht mehr viel. Wir haben einen klaren Leitfaden festgelegt. Demnach wird mein Vater weiterhin seine Bestandskunden sowie Kontakte pflegen und sich um das Firmengelände kümmern“, erklärte Marc-Daniel Zink.
Die formelle Übernahme des Unternehmens Die Gartenzwerge Garten- und Landschaftsbau durch Mario Nast von dem damaligen Inhaber Dieter Clonisch erfolgte 2015. Der zeitliche Vorlauf bis zum endgültigen Vertrag erstreckte sich über zwei Jahre. Während seiner mehrjährigen Tätigkeit für die Firma entwickelte Nast ein enges Vertrauensverhältnis zum Übergeber Clonisch. So war der beabsichtigte Weg der Betriebsnachfolge für beide bereits früh vorgezeichnet. Für die Erstellung des Businessplans, die Vertragsgestaltung, die Finanzierungs- und Liquiditätsplanung holte sich Nast externe Hilfe. Die Wertfeststellung des Unternehmens erfolgte über die Bilanzsumme und der Kaufvertrag wurde als Asset Deal ausgestaltet. Für den Kaufpreis gab es Förderkredite über die LfA Förderbank Bayern und für den Kontokorrent wurde eine Grundschuld auf das Geschäftsgebäude bei der Hausbank hinterlegt. Das Eigenkapital für die Unterlegung der Kredite steuerte der Übernehmer selbst bei. „Die Firma stand schon so da, wie ich mir das vorstellte. Deshalb musste erst einmal nicht viel geändert werden. Die weitere Entwicklung seitdem ist super: Maschinenpark getauscht und erweitert, neue Branchen-Software und Digitalisierung integriert, Ausbildung auf ein Topniveau gebracht und weitere Mitarbeiter eingestellt“, gab sich Nast zufrieden.
Erste Überlegungen hinsichtlich der Betriebsübergabe stellte Gerhard Zäh, Geschäftsführer des Fachbetriebs Zäh Gartengestaltung, bereits 2015 an. Mit seiner Bachelorarbeit „Umfirmierung mit integrierter Nachfolge“ setzte sich auch Sohn Michael intensiv mit dem Thema auseinander. Konkrete Aktionen folgten ab März 2016 und zum Jahreswechsel 2016/2017 stieg Michael Zäh in den Betrieb seines Vaters ein. Dies erfolgte im Zuge einer Umfirmierung beziehungsweise Neugründung der bestehenden Firma in eine GmbH & Co. KG mit gleichzeitiger Überschreibung von Unternehmensanteilen des eingebrachten Einzelunternehmens. Im Rahmen der schrittweisen Übergabe besitzt das Unternehmen momentan zwei Gesellschafter und zwei Geschäftsführer. „Als Übergeber sollte man sich ab dem 55 Lebensjahr Gedanken zur Nachfolge machen und in zeitliche Abschnitte splitten. Entscheidend war, zusammen mit meinem Sohn eine individuelle Planung zu erstellen“, berichtete Gerhard Zäh. Da beide Geschäftsführer und Gesellschafter des gemeinsamen Unternehmens sind, herrscht auch hier ein intensiver Dialog. Es gilt der Grundsatz, zusammen am gleichen Strang zu ziehen und die Meinung des anderen zu respektieren – gerade bei unterschiedlichen Ansichten. Gerhard Zäh: „Dem Übergeber muss klar sein, dass er abgeben können muss und dem Übernehmer muss klar sein, dass die Erfahrungen des Übergebers viel wert sind.“ Sohn Michael ergänzte: „Wir glauben, ein gesundes Mittel gefunden zu haben, bei dem es auch gut ist, wenn der Übergeber den Übernehmer manchmal etwas einbremst. Dennoch gibt die Richtung im Grundsatz der Übernehmer vor.“ Dabei sollte sich der Einfluss des Übernehmers nicht schlagartig ab Tag X bemerkbar machen, sondern langsam eingepflegt werden. Dann wird die Umstellung, auch für die Angestellten, nicht so abrupt.
Wie Pflanzenschutz und -pflege fachkundig, energieschonend und ohne den Einsatz von Chemie gelingen kann, stand im Fokus des zweiten Veranstaltungstages. Darüber hinaus wurden der Einfluss des Klimawandels auf Rasenflächen, Untersuchungen der LWG zu Substraten im GaLaBau und die Möglichkeiten von Straßenbäumen als Komponenten einer Überflutungs- und Hitzevorsorge näher beleuchtet. Mit der Präsentation aktueller Ergebnisse über die Stresstoleranz von Stadtbäumen schlossen die Landespflegetage ab.
Die Fachtagung wird im jährlichen Rhythmus vom Institut für Stadtgrün und Landschaftsbau an der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau, dem VGL Bayern und dem Verband Ehemaliger Veitshöchheimer veranstaltet. Die 53. Veitshöchheimer Landespflegetage finden am 23. und 24. Februar 2021 statt.

Unternehmen: Verband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Bayern e. V.


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