Studienabbrecher sind im Fokus der Betriebe

Stuttgart, 17.06.2019 (PresseBox) – Fast ein Drittel der Bachelorstudenten merkt früher oder später, dass ein Studium doch nicht das Richtige ist. Was folgt ist ein Abbruch des Studiums. Wer aussteigt steht vor der Frage, wie es weiter gehen soll. Eine berufliche Ausbildung im Handwerk kann eine gute Alternative sein.
Immer mehr Handwerksbetriebe übernehmen Studienabbrecher in eine Berufsausbildung. Damit beschreiten die Unternehmer neue Wege bei der Gewinnung von Auszubildenden und reagieren auf die angespannte Bewerbersituation. „Die Karriereleiter im Handwerk ist für viele junge Menschen eine positive Perspektive, zudem freuen sich Betriebe über Bewerber mit verschiedenen Lebenserfahrungen “, betont Patrick Wolf, Ausbildungsexperte bei der Handwerkskammer Region Stuttgart. Berufliche Ausbildung punkte durch ihren starken Praxisbezug, der an der Uni oft fehle. Leistungsstarke und motivierte junge Menschen schätzen an einer beruflichen Ausbildung zudem die intensive Betreuung im Betrieb und die Tatsache, „jeden Tag Ergebnisse zu sehen“. Als Gründe für den Studienausstieg nennen Studenten unter anderem Leistungsprobleme, finanzielle Engpässe, mangelnde Motivation und fehlenden Praxisbezug – so eine Untersuchung des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW).
Ausbildungsexperte Wolf von der Handwerkskammer erklärt: „Das Handwerk bietet Studienaussteigern attraktive Ausbildungsplätze in über 130 Berufen mit viel Praxis, eigenem Gehalt und guten Aufstiegschancen.  Studienaussteiger haben dabei sogar die Möglichkeit, die Ausbildung um ein Jahr zu verkürzen. Wenn sie im Anschluss den Meisterbrief machen, haben sie zudem einen Abschluss in der Tasche, der dem Bachelor gleichgestellt ist.“ Bei der Entscheidung für den passenden Handwerksberuf helfen die Berater der Handwerkskammer. Speziell für Studienaussteiger werden in Kooperation mit Universitäten und Arbeitsagentur auch vor Ort – beispielsweise an den Stuttgarter Universitäten – Beratungen  angeboten, so zur verkürzten Ausbildung und zu passenden Ausbildungsbetrieben. Der Weg vom Hörsaal in die Werkstatt ist bei vielen unzufriedenen Studenten aber noch nicht hinreichend bekannt. Ausbildungsfachmann Patrick Wolf rät: „Wer mit dem Studium nicht klarkommt, sollte sich rasch beraten lassen. Ein Praktikum in einem Handwerksbetrieb, beispielsweise in den Semesterferien, schafft Klarheit, wie es weitergehen kann.“
Die Entwicklung zeige aber auch auf, wie wichtig eine gute Berufsorientierung bereits in der Schulzeit sei. „Berufsorientierung ist die beste Prävention von Studienabbrüchen – je früher und intensiver, umso besser“, erklärt Wolf. „Wir verfolgen das Ziel, Studienabbrüchen durch frühzeitige Vermeidung von Fehlentscheidungen vorzubeugen.“ Deshalb komme einer Sensibilisierung von Schülern und Eltern zum Thema Beruf oder Studium allerhöchste Priorität zu. Die Entscheidung weiter hinauszuzögern und erstmal an die Hochschule zu gehen, sei unklug.
Für technisch interessierte und handwerklich Begabte gebe es bei 130 verschiedenen Ausbildungsberufen eine Vielzahl an Ausbildungsmodellen und vielversprechenden Karrierechancen, so Patrick Wolf. Mit Abitur könne beispielsweise parallel zur Berufsschule der Titel „Management im Handwerk“ (MiH) erworben werden. Anstelle von allgemeinbildenden Fächern wie Deutsch und Mathe stehen die Fächer Management, Englisch und EDV auf dem Stundenplan. Am Ende winken drei Qualifikationen: Berufsabschluss, Management Assistent und ein europaweit anerkanntes Sprachzertifikat. Auch die Perspektiven nach der Ausbildung sind glänzend. Nach der Gesellenprüfung wartet quasi als Eintrittskarte in die Selbstständigkeit die Qualifizierung zum Handwerksmeister. Der Meister ist international gleichgesetzt mit einem Bachelorabschluss. Ein weiterer Vorteil: Der Abschluss „Management im Handwerk (MiH)“ wird als Teil der Meisterprüfung anerkannt.
Ergebnisse, die sichtbar sind
In einem aktuellen Projekt der Handwerkskammer Region Stuttgart erzählen junge Handwerker, warum  sie ihre handwerkliche Ausbildung einem akademischen Werdegang vorgezogen haben. Konditormeisterin Lydia Steinbrich hat ein abgeschlossenes Studium in Übersetzung und Sprachwissenschaft. Dass sie trotz ihres Bachelorabschlusses im Handwerk gelandet ist, macht sie heute sehr froh. „Denn man sieht am Ende des Tages, was man geschafft hat und kann kreativ sein“, betont die 29-Jährige, die sich im vergangenen Jahr mit ihrer Baumkuchenboutique in Stuttgart selbstständig gemacht hat.
Da er nach dem Abitur noch unsicher war, welchen Berufsweg er einschlagen möchte, hat sich Benjamin Czech nach der Schule zunächst für ein Jurastudium in Konstanz entschieden. „Bis zur Zwischenprüfung habe ich mein Studium durchgezogen, habe dann allerdings gemerkt, dass das nicht das Richtige für mich ist.“ Seine berufliche Erfüllung hat Czech nun bei seiner Ausbildung zum Schreiner MiH (Management im Handwerk) bei der Stuttgarter Firma Türenmann gefunden. „Ich habe gemerkt, dass Handwerk genau mein Ding ist, weil es vielseitig und abwechslungsreich ist.“ 
Weitere Infos und Kurzportraits über Studienaussteiger aus der Region: www.hwk-stuttgart.de/studienausstieg; www.komm-ins-handwerk.de

Unternehmen: Handwerkskammer Region Stuttgart


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