Viel Hype um Nichts: Die Blockchain

München, 26.02.2019 (PresseBox) – Der Blockchain wird großes Potenzial nachgesagt, doch Widersprüche zwischen Schein und Sein, zwischen Image und Realität, wecken Zweifel. In ihrer aktuellen Studie zum Thema Blockchain (https://www.mckinsey.com/…) gibt die Unternehmensberatung McKinsey „noch nicht alles verloren“. Optimismus klingt anders. Laut der Studie existieren bisher kaum Beispiele, die technologisch, strategisch oder gar kommerziell irgendeinen Sinn ergeben. Obwohl allein die Finanzbranche rund 1,7 Milliarden Dollar pro Jahr für Blockchain-Experimente ausgibt, hängt die Technologie bis heute in der Pionierphase fest, der Sprung in die Wachstumsphase will ihr einfach nicht gelingen. In der Finanzbranche ist das Thema laut McKinsey sogar weitestgehend komplett durch. Sinnvoll einsetzen ließe sich die Technik allenfalls in Nischen.
WAS IST EINE BLOCKCHAIN?
Die Blockchain ermöglicht es zwei Fremden ohne einen Dritten als Mittler, miteinander vertrauenswürdig und zuverlässig, meistens finanziell, digital zu interagieren. Dafür werden endlos erweiterbare, verschlüsselte „Blöcke“ (Datensätze) aneinander „gekettet“ (aufgebaut). Jeder Block basiert auf den Daten des vorherigen Blocks, dem „Hash“.
Es gibt öffentliche und private Blockchains. Während in öffentlichen Blockchains jeder Teil des Netzwerks werden kann  –  wie beispielsweise bei Kryptowährungen wie dem Bitcoin  –  erhalten in den Blockchains von Unternehmen nur ausgewählte Teilnehmer Zugriff.
VORTEILE DER BLOCKCHAIN
• Vorteil dezentrales Regulativ: Die Blockchain selbst kontrolliert. Es gibt keinen kontrollierenden Dritten, damit kein Ziel, das gehackt werden könnte.
• Vorteil langfristige Datenspeicherung: Die unbegrenzte Verfügbarkeit der Daten ist nicht mehr abhängig von der Lebensdauer des Speichermediums.
• Vorteil Manipulationssicherheit: Digitale Informationen können nicht unerkannt verändert werden und werden bis auf die Sekunde genau datiert.
NACHTEILE DER BLOCKCHAIN
Dass der Hype um die Blockchain mittlerweile wieder abebbt, kommt aus ökonomischer Sicht nicht völlig überraschend. Schließlich ist sie als Datenspeicher ineffektiv, weil jedes Glied in der Kette jede vorherige Aktion verarbeiten und speichern muss. Das begrenzt die Kapazität jedes einzelnen Kettenglieds erheblich. Die Erfüllung der Sicherheitsauflagen ist bei vielen Projekten ein weiteres Hindernis. Weil in der Blockchain kein zentrales Regulativ herrscht, müssen konkurrierende Unternehmen gemeinsam in eine Sache investieren, das heißt, sie müssen – miteinander – kooperieren, um erst dann – jeder für sich – zu profitieren. Eine Blockchain setzt also die erfolgreiche Kooperation anonymer Konkurrenten voraus. Doch jeder Konkurrent misstraut nun mal von Natur aus dem anderen, zumal anonym, und will nicht mehr investieren oder weniger profitieren als der Wettbewerber. Das bremst.
Oft stößt die Blockchain an ihre Grenzen. Die Limitierungen im Überblick:
• Transaktionszeit
Der dezentrale Charakter der Blockchain begrenzt die Transaktionen pro Sekunde.
• Privatsphäre
Öffentliche Blockchains sind von jeder Person im Netzwerk einsehbar.
• Vertragsprüfung
Automatisierte Verträge sind eine schöne Idee, in der Praxis jedoch oft unsicher und angreifbar.
• Speicher
Jedes neue Kettenglied muss sämtliche Daten des vorherigen abspeichern, das kostet Energie und Platz.
• Regeln
Dezentralisierung funktioniert nur dann, wenn sich alle auf gemeinsame Normen einigen können.
• Know how
Die komplexe Technologie ist selbst für erfahrene Entwickler schwer zu verstehen.
IM PROJEKT- UND DATENRAUM IST DIE BLOCKCHAIN SINNLOS
Brauche ich überhaupt eine Blockchain für mein Problem? Karl Wüst und Arthur Gervais von der ETH Zürich haben versucht, diese Frage in ihrer Studie „Do you need a Blockchain?“ (https://eprint.iacr.org/…) zu beantworten. Ihre Antwort: Vermutlich eher nicht. Zwar gibt es durchaus sinnvolle Anwendungen, aber meist mit Einschränkungen. Zudem ist die Blockchain längst auch nicht für alle Bankgeschäfte ein Gewinn.
Stefan Finkenzeller, Geschäftsführer der Münchner PMG Projektraum Management GmbH, einer der führenden Anbieter von E-Collaboration-Software: „Die Blockchain lässt sich nur dort sinnvoll einsetzen, wo anonyme Beteiligte ohne ein zentrales Regulativ zuverlässig miteinander interagieren. In einem virtuellen Projektraum, z.B. innerhalb eines Bauvorhabens, oder in einem virtuellen Datenraum, z.B. für eine M&A-Transaktion, sind die Beteiligten aber nicht anonym und es herrscht kein dezentrales, sondern ein zentrales Regulativ. Darüber hinaus speichert die PMG die Daten ihrer Kunden auf ausgesuchten, zertifizierten Servern, ohne die Server unserer Kunden zu belasten. Viele Wettbewerber werben mit der Blockchain, aber doch nur, weil sie den Hype nutzen. Was deren Kunden daraus für einen Vorteil ziehen sollen, ist mir schleierhaft.“
Herr Finkenzeller über die Zukunft der Technologie: „Eine Blockchain ist letztendlich nur das, was man daraus macht. Ich sehe durchaus, warum sie in dem einen oder anderen Fall interessant ist, aber meiner Meinung nach überwiegen klar die Nachteile. Vielleicht werden diese Probleme in Zukunft behoben, doch noch ist die Blockchain eine überschätzte Technologie, getrieben vom Hype um Kryptowährungen und gepusht von geschickten Marketingabteilungen. Wird die Blockchain in den nächsten Jahren also eine große Rolle spielen? Ich würde sagen: Eher nein. Im Projekt- und Datenraum ergibt eine Blockchain keinen Sinn.“

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